Blick auf die Märkte im April 2018

Wenn Finanzmarktteilnehmer tatsächlich ein Eskalationsrisiko im Mittleren Osten befürchten, so haben sie dies zumindest am Wochenbeginn gut verbergen können. Die Aktienmärkte nahmen von den Militärschlägen westlicher Länder kaum Notiz, die Kurse bewegten sich nach oben. Von Kriegsangst keine Spur. Trotz der unübersichtlichen Interessenlagen und des ohne Zweifel vorhandenen Risikos eines Flächenbrandes scheint allzu offensichtlich zu sein, wie sehr der Syrienkonflikt zurzeit für Ablenkungsmanöver genutzt wird. Und dies wohlgemerkt nicht nur für US-Präsident Trump, der mit seiner vom Russlandkonflikt bis zu Stormy Daniels reichenden Skandalpalette weiß Gott Grund genug hat, seine Wähler lieber mit militärischen Muskelspielen zu unterhalten. Sondern auch auf Seiten Russlands, das mit dem Fall Skripal und der immer brutaleren Unterdrückung jedweder Opposition ein Interesse an außenpolitischen Bildern hat, welche Stärke symbolisieren. Nicht nur in autokratischen Systemen ist dies eine bewährte Strategie, wie immer auf dem Rücken der Bevölkerung, in diesem Fall der syrischen.

Bemerkenswert ist die Marktreaktion dennoch. Denn in dem seit Anfang Februar nervöser gewordenen Umfeld ist eine besonnene Reaktion der Anleger keineswegs mehr so selbstverständlich wie vielleicht im letzten Jahr. Schließlich waren in den letzten Wochen neben den im Februar thematisierten Inflations- uns Zinsängsten auch die Wachstums- und Gewinnerwartungen im Zuge des protektionistischen Getöses aus dem Weißen Haus in Zweifel geraten. Und wenn die Welt der Finanzanleger etwas zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gebrauchen kann, dann sind es weitere Kratzer am Goldilocks-Szenario, das uns ein so prächtiges 2017 und immer noch einen sehr erfreulichen Start in dieses Jahr beschert hatte. Aus dieser Perspektive ist es beruhigend zu sehen, dass die Risikomärkte auf etwas so Verstörendes wie einen Raketenangriff besonnen reagieren. Eine nicht unerhebliche Rolle hierbei dürfte gespielt haben, dass Chinas Regierung sich konstruktiv zu handelspolitischen Fragen geäußert (insbesondere in Bezug auf den Schutz geistigen Eigentums, mit dem es Peking nicht allzu genau genommen hat) und damit die Angst vor einem Handelskrieg mit den USA zumindest kurzfristig deeskaliert hat. Wir lernen, dass es also immer noch gute bzw. relativierende Nachrichten von der Makroseite gibt, die Investoren davon abhalten, geopolitische Risiken wie die drohende Eskalation in Syrien durch die Risk-off-Brille zu sehen. Denn wäre letzteres der Fall gewesen, hätte diese Woche wohl mit einem veritablen Kursrutsch begonnen.

Was bedeutet das für Anleger?

Ein kritischer Blick auf die Voraussetzungen für gute laufende Aktienmärkte, nämlich die Kombination aus Wachstum und Gewinnen einerseits sowie moderater Inflation und zurückhaltenden Zentralbanken andererseits, dürfte auch in den nächsten Wochen das Finanzmarktumfeld prägen. Auf der Gewinnseite steht die gerade begonnene Berichtssaison für Q1 im Vordergrund, von der wir solide Ergebnisse und einen weiter sehr konstruktiven Ausblick seitens der Unternehmen erwarten. Defensivere Sektoren könnten hierbei mehr im Fokus des Interesses stehen als die bisherigen Gewinner, Tech und Zykliker. Derweil liegt die Aufgabe der Zentralbanken weiterhin auf ihrem Mantra der ruhigen Hand. Solange Anleger verstehen, dass moderate Normalisierung der Geldpolitik keine Bedrohung, sondern Ausdruck der positiven Wirtschaftslage ist, dürfte die Risikoneigung hoch bleiben. Die nächsten Wochen könnten sehr gut diejenigen sein, in denen die Aktienmärkte die bisherigen Rückschläge des Jahres hinter sich lassen und die bisherige Jahresperformance in positives Territorium drehen.

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