Blick auf die Märkte im Januar 2019 #1

Mutmacher gesucht !

15. Januar 2019
Felix Herrmann
Kapitalmarktstratege

Die Frage nach der verbleibenden Restdauer beziehungsweise der Kraft des globalen Wirtschaftsaufschwungs dürfte eines der Hauptthemen im Kapitalmarktjahres 2019 werden, da von der Antwort auf diese Frage enorm viel abhängt. So dürfte sie etwa den Fortschritt bei den Verhandlungen zwischen den USA und China erheblich beeinflussen. Beobachten wir in beiden Ländern eine deutlichere Verlangsamung des Wachstums, erhöht sich vermutlich der Druck auf die Verhandlungsführer, zu einem „Deal“ zu kommen, da ein Ausbleiben einer Einigung voraussichtlich negative Effektive auf Stimmung und Finanzmärkte hätte. Die Verlängerung der Verhandlungen zwischen Unterhändlern aus China und den USA zum Thema „Handels- und Technologiekrieg“ in der vergangenen Woche dürfte daher auch mit dem großen Interesse beider Seiten an einer raschen Lösung des Konflikts zu tun gehabt haben.

Ob und wann der Konjunktur die Puste ausgeht beeinflusst aber natürlich auch die Notenbankpolitik im Jahr 2019. Aus dem Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung, welches letzten Mittwoch publiziert wurde ging hervor, dass das FOMC im Dezember grundsätzlich zwar noch recht positiv gestimmt war hinsichtlich der Verfassung der US-Wirtschaft. “Einige“ weitere Zinsanhebungsschritte dürften, so die Rhetorik, durchaus notwendig sein, bevor der Anhebungszyklus zum Ende kommt. Nicht auszuschließen jedoch, dass die US-Notenbank in den Wochen nach der Sitzung von einer Realität eingeholt wurde, die sich weniger positiv darstellt – und das nicht nur aufgrund der negativen Auswirkungen des „Government Shutdowns“. Sollte die Fed ihren Leitzins angesichts schwächerer Wirtschaftszahlen nicht so weit anheben, dass man von einer bremsenden Wirkung auf die US-Volkswirtschaft sprechen kann, dann bliebe wohl auch der EZB im Jahr 2019 nur ein geringer Spielraum, um die Zinsen tatsächlich anzuheben. Während sich Donald Trump über eine Wende in der Fed-Politik freuen dürfte, wäre die Freude unter den Sparern in Europa wohl mehr als verhalten.

Erschwerend kommt für die EZB hinzu, dass sich das Wachstum in der Eurozone ebenfalls verlangsamt. Gerade hier in Deutschland scheint die Dynamik zu schwinden. Der dritte Rückgang der Industrieproduktion im Monatsvergleich in Folge könnte sogar bedeuten, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte am Rande einer technischen Rezession befunden hat. Vor allem von der für Deutschland so wichtigen Autoindustrie kamen im vierten Quartal nicht die erhofften verbesserten Daten im Vergleich zum schwachen dritten Quartal. Obwohl gerade der private Konsum bis dato eine wichtige Stütze des Wachstums hierzulande geblieben ist, sieht es für die deutsche Wirtschaft im Moment nicht besonders rosig aus.

Was bedeutet das für Anleger?

Ob sich Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2018 tatsächlich in einer technischen Rezession befunden hat, ist vor allem für Statistikfreaks interessant. Für die Märte ist hingegen entscheidend, wie es im Jahr 2019 in Punkto Wachstum weitergeht. Sollte sich die Schwäche der wirtschaftlichen Frühindikatoren fortsetzen, verhieße das sicher nichts Gutes, da dann auch die Gewinnschätzungen der deutschen Unternehmen nach unten korrigiert werden könnten. Die aktuelle Schätzung von knapp zehn Prozent erscheint recht ambitioniert. Umso wichtiger wäre es aus Marktsicht, dass sich an der politischen Front die Dinge beruhigen.

Angesichts des „Mauerstreits“ in den USA, den anhaltenden Geldwestenprotesten in Frankreich oder aber auch dem Wackeln der Regierung in Griechenland am letzten Wochenende scheint die Politik auf absehbare Zeit nicht viel Rückenwind für die Märkte zu liefern.

Das gleiche gilt wohl auch für die Abstimmung über das britische EU-Austrittsabkommen, die heute Abend in London stattfindet. Vieles spricht für eine Niederlage für Theresa May, auf die womöglich eine noch viel unvorhersehbarere Zeit im Vereinigten Königreich folgen könnte. Wenngleich die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen oder gar eines zweiten Referendums bei einer Niederlage Mays steigen würde, ist es wohl wahrscheinlicher, dass May (oder ihr Nachfolger) abermals ein Eurostar-Ticket nach Brüssel buchen wird. Mit anderen Worten: eine Fortsetzung des Verhandlungsmarathons einschließlich einer Verschiebung des Austrittsdatums dürfte die plausiblere Fortsetzung des Brexit-Dramas zu sein. So oder so: Das einzig sichere in Bezug auf den Brexit wird wohl auf absehbare Zeit die Unsicherheit bleiben.

Wer angesichts dieses schwierigen Umfeldes einen Mutmacher sucht, der schaue auf den Kursaufschwung an den Aktienmärkten seit Jahresbeginn. Der verdeutlicht nämlich, dass negative Schlagzeilen den Markt aktuell nicht wirklich aus den Angeln heben – im Gegenteil. Oftmals ist das ein Zeichen dafür, dass eine Aktienmarktkorrektur recht weit fortgeschritten ist. Da Aktienmärkte in den Industrieländern in 2018 mit ihrer Bewertungskorrektur de facto eine Rezession in 2019 eingepreist haben, könnte ein Ausbleiben derselben bei einer trotzdem vorsichtigeren Zentralbank in den USA letztlich für ein deutlich positiveres Aktienmarktjahr 2019 sorgen, als es sich der eine oder andere heute vorstellen mag.

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