Blick auf die Märkte im November 2018 #1

Monatsrückblick Oktober: Wacklige Übergangsphase.

05. November 2018
Felix Herrmann, CFA
Kapitalmarktstratege BlackRock

Nix da goldener Herbst! Vielmehr hat der Oktober seinem Ruf als eher schlechter Börsenmonat alle Ehre gemacht und den Hoffnungen auf ein letztlich doch noch versöhnliches Aktienjahr 2018 einen herben Dämpfer versetzt.

Bereits Ende September sah das Bild an den globalen Aktienmärkten nicht sonderlich rosig aus. Aktien aus der Eurozone lagen seit Jahresbeginn knapp zwei Prozent hinten (MSCI Eurozone in Euro). Anteilsscheine aus den Schwellenländern (MSCI EM in US-Dollar) hatten sogar bereits fast zehn Prozent abgelegt. Lediglich US-Aktien (MSCI USA in US-Dollar) verzeichneten dank des im internationalen Vergleich besonders starken Gewinnwachstums in den USA bis Ende des dritten Quartals 2018 ein Plus von etwa neun Prozent und handelten in der Nähe ihrer Allzeithochs.

Der Oktober hat dann aus einem bis dato bestenfalls durchwachsenen Aktienjahr 2018 ein miserables gemacht. Dass der zehnte Monat des Jahres für einige Aktienmarktsegmente der schwärzeste Monat seit der Finanzkrise werden würde, ist angesichts der bereits recht weit fortgeschrittenen Diskrepanz zwischen robusten Fundamentaldaten und der enttäuschenden Aktienmarktperformance bis Ende September nicht unbedingt erwartbar gewesen. US-Aktien verloren sieben Prozent, Aktien aus der Eurozone ebenfalls weitere sieben und Schwellenländeraktien noch einmal fast neun Prozent. Einer der sehr wenigen Lichtblicke waren brasilianische Aktien, die erstaunlicherweise einem neuen Präsidenten Vorschusslorbeeren zukommen ließen, dessen Wahl die Zukunft der fünftgrößten Demokratie der Welt in Frage stellen könnte.

Ähnlich wie bereits schon im Frühjahr wird das steigende Zinsniveau in den USA als einer der Auslöser für die Marktschwäche verantwortlich gemacht. Anfang Oktober stieg die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise. Je höher die Rendite risikoloser Rentenmarktpapiere in den USA steigt, desto zögerlicher werden Anleger in Bezug auf Engagements in riskanteren Risikoaktiva. Insbesondere dann, wenn die Geldmarktsätze über das Inflationsniveau hinaus ansteigen und es Anlegern so ermöglichen, ihr Geld an der Seitenlinie ohne Kaufkraftverlust zu parken.

Zusätzlicher Verkaufsdruck ergab sich im Laufe des Oktober-Sell-Offs durch einen zunehmend trüberen Ausblick auf die zukünftige fundamentalwirtschaftliche Entwicklung. Gute Unternehmenszahlen aus den USA und anderen Regionen für das dritte Quartal vermochten nicht kaschieren, dass die „Guidance“ – also der Ausblick auf die Gewinnentwicklung in der Zukunft – auf vielen Unternehmensetagen nach unten angepasst wurde. Neben den steigenden Zinsen, ist es vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China, der die Anleger verunsichert. Ab dem vierten Quartal 2018 dürften die ersten Bremsspuren in den harten Wirtschaftsdaten erkennbar sein. Da auch steigende Löhne und höhere Ölpreise Druck auf die Margen der Unternehmen ausüben, scheinen viele Marktteilnehmer davon auszugehen, dass das Gewinnwachstum ausgehend vom Hoch im zweiten Quartal quasi nur noch eine Richtung kennen wird: nach unten.

Somit hat uns der Oktober unter dem Strich mit voller Wucht an eines erinnert: Die Übergangsphase von einer Zeit, die durch einen Überfluss an Zentralbankgeld an den globalen Finanzmärkten hin zu einer Zeit, in der die Fundamentaldaten und die Geopolitik wieder die alleinigen Taktgeber sind, ist durch ein erhöhtes Maß an Unsicherheit und Schwankungsintensität geprägt.

Trotz der turbulenten letzten Wochen sollten Anleger die Flinte jedoch keinesfalls ins Korn werfen. Auch auf die Gefahr hin uns zu wiederholen: Günstige Aktienmarktbewertungen und trotz negativer Tendenz immer noch sehr robuste Wirtschaftsdaten lassen eine Trendumkehr alles andere als undenkbar erscheinen. Die Liste der denkbaren Auslöser für eine derartige Umkehr ist gar nicht so kurz: ein Kursschwenk der US-Notenbank etwa, eine Einigung beim Thema Brexit, eine Einigung zwischen Rom und Brüssel oder aber ein überraschender Wahlsieg der Republikaner bei den Zwischenwahlen wären nur einige der denkbaren „Trigger“.

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